Equal Care Day & Internationaler Frauen(kampf)tag
Unbezahlte Care-Arbeit findet jeden Tag statt. Sie ist notwendig und doch meist unsichtbar. Sie ermöglicht Erwerbsarbeit, hält unsere Gesellschaft zusammen und doch erfährt sie paradoxerweise wenig Beachtung und Wertschätzung.
Die Frauenwoche rund um den feministischen Kampftag am 08.03. beginnt für uns schon am 29.02. Versteckt zwischen Februar und März liegt der „Equal Care Day“. Ein Tag, der nur alle vier Jahre erscheint und darauf aufmerksam macht, dass Care-Arbeit meist unbezahlt und unsichtbar ist. Die Irritation, die dieses Datum auslöst, ist also bewusst gewählt und macht auf strukturelle Ungleichheiten aufmerksam.
Was ist Care-Arbeit?
Care-Arbeit, oder Sorgearbeit bezeichnet alle Formen des Sich-Kümmerns. Sie beginnt bei der Kindererziehung und -betreuung, bei der Pflege und Begleitung kranker oder älterer Personen, bei jeglicher Hausarbeit, ehrenamtlichen Tätigkeiten und dem Alltagsmanagement. Auch im professionellen Bereich ist Care-Arbeit zentral. Gesundheits- und Sozialberufe und pädagogische Tätigkeiten werden überwiegend von Frauen ausgeübt. Sie sind systemrelevant, aber oft schlechter bezahlt und personell unterbesetzt.
Der Gender Care Gap in Österreich
In Österreich ist das Ungleichgewicht deutlich messbar. Laut Statistik Austria leisten Frauen ungefähr doppelt so viel unbezahlte Care-Arbeit wie Männer pro Tag.
Diese Lücke zeigt sich in jeder Altersgruppe, auch schon bei Kindern ab 10 Jahren. Besonders deutlich ist sie zwischen 30-34 Jahren. Hier steigt der Gap – also der Unterschied, häufig während der Familiengründung, sogar auf 130%. Hier wird nur der Unterschied gezeigt zwischen Personen, die tatsächlich Care-Arbeit leisten.
Bei dem sogenannten Overall-Care Gap an, werden auch Personen einbezogen, die gar keine Care Arbeit leisten - in dieser Berechnung steigt der Unterschied zwischen Männern und Frauen auf 71%.
Zudem lohnt es sich auch zu bedenken, dass Care-Arbeit nicht nur zwischen Männern und Frauen ungleich verteilt ist. Tätigkeiten wie Putzen oder Pflege werden bei ausreichendem Einkommen häufig ausgelagert - meist wiederum an Frauen. Ungleichheit verschiebt sich also, anstatt zu verschwinden.
Woran liegt das?
Es gibt viele Gründe dafür, warum dieser Unterschied so groß ist und auch schon im jungen Alter beginnt. Vorherrschende Rollenbilder legen fest, wer empathischer, einfühlsamer sei und damit prädestiniert für die Care-Arbeit. Gleichzeitig sind zu wenig Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige verfügbar und bezahlbar. Dieser Mangel muss ausgeglichen werden. Zusammen mit stereotypen Vorstellungen und der Tatsache, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen, erscheint es ökonomisch meist logisch, dass Frauen diese Lücken kompensieren.
Die Folgen
Berücksichtigt man auch unbezahlte Care-Arbeit, arbeiten Frauen in Österreich insgesamt mehr als Männer. Durch die überwiegende Verantwortung für Sorgearbeit, arbeiten Frauen eher in Teilzeit oder gehen eher in Karenz. Das zieht nicht nur kurzfristige Gehaltsunterschiede mit sich, sondern auch langfristige Folgen, wie schlechtere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten und Altersarmut. Care-Arbeit ist also nicht nur eine private Angelegenheit, sondern eine Frage sozialer Gerechtigkeit.
Sichtbarkeit schaffen
Um diesem Thema mehr Beachtung zu schenken und darüber ins Gespräch zu kommen, haben wir am 04. März den Film “Ein Tag ohne Frauen” in unserem Lokal gezeigt. Der Film handelt von dem Streik in Island, bei dem 90% der Frauen ihre Arbeit niedergelegt haben. Er macht eindrucksvoll sichtbar, welche Auswirkungen diese kollektive Entscheidung auf die alltäglichen und notwendigen Abläufe hatte. Obwohl der Streik über 50 Jahre zurückliegt, zeigen die Zahlen, wie aktuell das Thema auch noch heute ist.