"Demokratie zum Anfassen": Abstimmen neu gedacht!
Wie wäre es, wenn wir bei unseren alltäglichen Abstimmungen und Wahlen andere Verfahren nutzen würden?
- Um Solidarität zu erleben.
- Für mehr Fairness in Beruf, Schule und Freizeit.
- Für das Gestalten unserer Demokratie.
- Für mehr Gerechtigkeit!
Unter diesem Motto haben wir am 28.05.2026 gemeinsam mit Gesine Otto einen Workshop zu unterschiedlichen Wahlverfahren im Lorenz-Bayer-Park angeboten.
Zu Beginn war es etwas herausfordernd, den Workshop in einem komplett offenen Raum vorzustellen und zu erklären, was "Systemische Konsensierung" überhaupt ist und wie weitere Verfahren für faire Entscheidungsprozesse eingesetzt werden können. Unsere Expertin reagierte jedoch flexibel auf die Situation und legte direkt mit einer praktischen Übung los. Dadurch wurde den Teilnehmenden schneller deutlich, worum es gehen sollte.
Insgesamt entwickelte sich der Workshop sehr positiv und die Teilnehmer*innen blieben teils sogar bis in den nächsten Block, weil sie es spannend fanden, daran teilzunehmen. Die Gruppen waren sehr divers, was die gemeinsamen Entscheidungsprozesse zusätzlich bereicherte. Auch zahlreiche Passant*innen beobachteten den Workshop neugierig von außen und zeigten großes Interesse an unserem Angebot. Dadurch ergaben sich viele gute Gespräche und Möglichkeiten, unsere Arbeit vorzustellen.
Insgesamt konnten drei Wahlblöcke mit einem Vergleich von fünf verschiedenen Abstimmungsverfahren durchgeführt werden. Die Entscheidungsthemen waren bewusst alltagsnah gewählt – von "Wo fahren wir in den Urlaub?" bis hin zu "In welches Restaurant gehen wir gemeinsam essen?". So konnten Menschen unterschiedlicher Altersgruppen leicht mitmachen und es entstand eine lebendige Dynamik.
Besonders spannend war die Beobachtung, dass je nach angewendetem Verfahren unterschiedliche Ergebnisse zustande kamen. Gesine Otto brachte es auf den Punkt: „Die relative Mehrheit ist das doofste aller Verfahren, weil dabei Minderheiten oft auf der Strecke bleiben.“
Der Workshop bot eine lebendige Mischung aus leicht verständlicher Theorie und gemeinsamen Praxisbeispielen, die mithilfe eines Ampelkonzepts („Rot-Gelb-Grün“) vermittelt wurden. So konnten die Teilnehmenden alternative Formen demokratischer Entscheidungsfindung kennenlernen und Anregungen für ihren Alltag mitnehmen. Oder, wie Gesine Otto es formulierte: "Es ist möglich, auch mit einfachen Mitteln etwas Kleines zu verändern und dabei Großes zu bewirken."
In seiner vereinfachten Form zielt das Systemische Konsensieren auf Inklusion und Solidarität ab. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Lösungen, die möglichst keinen oder nur wenig Widerstand erzeugen und für alle Beteiligten tragbar und sinnvoll sind. Es geht nicht darum, was ich will, sondern was wir alle können. Der Fokus verschiebt sich von der Mehrheit hin zu einem möglichst breiten Konsens: EINHEIT! Vielleicht gestalten wir unsere nächste Abstimmung ja schon ein wenig anders.